Ganz ehrlich, ich habe so ziemlich nichts von Saw erwartet. Ich dachte, mit diesem Streifen käme ein ebenso hässlicher Film wie Hostel auf mich zu, der nicht einmal eine Geschichte bietet und vor allem auf Gore aus ist. Ich habe mich gewaltig getäuscht und hatte anfangs Mühe, meine Vorurteile abzulegen und zu erkennen, dass Saw ein richtig, wirklich richtig guter Film ist.
Lawrence und Adam finden sich in einem dunklen Raum wieder, ohne zu wissen, wie sie dort hingelangt sind. Beide sind gefesselt und sitzen einander gegenüber, allerdings am jeweils anderen Ende des Raumes. In der Mitte liegt ein Mann, der sich erschossen zu haben scheint. Bald finden die beiden heraus, dass sie in ein krankes Spiel verwickelt wurden. Sie müssen sich nun von Hinweis zu Hinweis vortasten, um sich irgendwie retten zu können. Dabei werden sie von dem Psychopathen, der sie in diese Lage gebracht hat, gegeneinander ausgespielt. Eine Möglichkeit zum Entkommen wäre, die Säge, die neben die Kette gelegt wurde, zu benützen. Allerdings nicht, um ihre Fussfesseln wegzusägen, sondern um das eigene Bein zu malträtieren. Logisch also, dass dies erst als letztes in Betracht gezogen wird. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Kampf um den Verstand.
Das Geschehen spielt sich vor allem in diesem einen Raum ab. Es gibt noch einige kleine Nebengeschichten, unter anderem von Polizisten, die den Psychopathen zu erfassen versuchen. Dieser scheint aber den Verfolgern und Opfern intelektuell überlegen zu sein. Das wirkt bisweilen etwas unglaubwürdig, zumal es einige Logiklücken gibt. Die Pläne des kranken Typen sind zu perfekt, als dass sie funktioneiren könnten. Für ihn läuft immer alles wie geschmiert. Das Ende kommt daher etwas übertrieben, aber immerhin völlig überraschend daher. Die Story kann also durch und durch überzeugen. Man sollte nur nicht allzu viel über Details nachdenken. Für gute Unterhaltung ist allemal gesorgt.
Saw bietet noch mehr als nur gute Unterhaltung. Der Zuschauer wird durch die beklemmende Atmosphäre richtig gefesselt. Von Zeit zu Zeit ist man beinahe froh, wenn das Geschehen an eine andere Lokalität wechselt, in der die Menschen nicht so ausgeliefert wirken. Man wird immer wieder in den beängstigenden Raum zurückgeführt, um mit den Protagonisten mitleiden zu müssen bzw. zu können! Psychologisch interessant ist nicht nur, was die beiden innerlich durchleben, sondern auch, wie das Publikum darauf reagieren könnte. Denn sowohl Lawrence als auch Adam führten bis anhin eher ein schlechtes denn ein rechtes Leben. Das lässt nicht gerade Sympathien für die Gefolterten aufkommen.
Alles in allem ist das Ganze aber so geschickt gemacht, dass man richtig mitfiebert. Wer über Logiklücken hinwegsehen kann, bekommt eine Story der ganz besonderen Art aufgetischt. Schauspielerisch bewegt sich der Film im oberen Durchschnitt. Lawrence und Adam werden glaubwürdig verkörpert. Im Gegensatz zu den Nachfolgern hält sich der Gore beime rsten Teil in Grenzen. Richtig hässliche Szenen kommen zwar vor, sind aber Mittel zum Zweck und lassen eine noch beklemmendere und krankhaftere Atmosphäre aufkommen.
Man läuft Gefahr, dass man sich dem Saw Bann nicht entziehen kann und sich mit den Nachfolgern einige schlechte Filme antun wird. Trotzdem sollte man den ersten Teil unbedingt gesehen haben. Nicht nur, wenn man etwas mit Horrorfilmen der neuen Art anfangen kann.
8/10