Archiv für März 2009

Himmlisch

Montag, 30. März 2009

So himmlisch wird mein Beitrag wohl nicht sein, aber immerhin habe ich versucht, einen Spieletest zu Heavenly Sword zu schreiben. Ich hoffe, das Review ist mir einigermassen gelungen. So wünsche ich viel Spass beim Lesen.

Heavenly Sword

Montag, 30. März 2009

Wenn ihr von Grafik überwältigt werdet, wenn Bombastmusik aus den Boxen dröhnt, wenn trotz Unterzahl bis zum bitteren Ende gekämpft wird, wenn getötet wird, Special Moves ausgeführt werden, Pfeile durch die Luft zischen, Schwerter geschwungen werden und eine Frau aus der ganzen Meute herausticht, Mann um Mann niedermetzelt und das himmlische Schwert langsam Überhand gewinnt, dann befindet ihr euch mitten im Spiel Heavenly Sword. Nariko heisst die Dame, die sich sofort aus der riesigen Menge an Kämpfern herauskristalisiert. Sie führt das himmlische Schwert gekonnt. Diese Waffe der Götter wurde seit Generationen von Nariko’s Volk erfolgreich geschützt. Doch der machtgierige Herrscher Bohan unternimmt nun alles, um sich dieses Einod unter den Nagel reissen zu können. Legenden zufolge hätte ein Held geboren werden sollen, der das Schwert hätte führen und wie vor Jahrhunderten einen grausamen Krieg beenden können. Stattdessen wurde Nariko zur Welt gebracht, deren Geburt ihre Mutter nicht überstand. Seit jeher gilt sie als Fluch. Ihre Beziehung zu ihrem Vater, der das Volk anführt, ist gespannt. Er stellt für sie mehr Lehrer als Vaterfigur dar. Trotzdem vertraut er ihr eines nachts das Schwert an, was fatale Folgen haben wird. Kein Normalsterblicher konnte diese Waffe je führen, ohne mit dem Tod dafür zu bezahlen.

Ab erster Sekunde werdet ihr in eine Schlacht gestellt, in der es bereits riesige Mengen an Kriegern ins Jenseits zu befördern gilt. Dabei lernt ihr die Steuerung kennen. Drückt zwei der vier Aktionstasten abwechselnd und in verschiedenen Kombinationen, um Herr über den Feind zu werden. Anfangs führt ihr noch ein normales Langschwert. Doch sobald man das himmlische Schwert in den Händen hält, wird es etwas abwechslungsreicher. Bei Tempo-Angriffen seid ihr schnell, aber nur mittelstark, bei Reichweite-Angriffen setzt ihr dem Gegner schwach aus der Ferne zu. Reisst es dabei einen Krieger in die Lüfte, könnt ihr durch Rütteln des Controllers aufspringen und ganze Kombos in der Luft ausführen. Schliesslich bleiben noch die Stärke-Angriffe, die Nariko zwar langsam ausführt, den Gegner damit aber mächtig umhauen kann. Beim Benützen dieser verschiedenen Kampfstile füllt sich eine Anzeige. Hat sie Stufe eins, zwei oder drei erreicht, könnt ihr durch einfachen Knopfdruck einen beeindruckend inszinierten Special Move ausführen, der je nach Stärke einen Soldaten bis zu einer ganze Armee vernichtet bzw. schwächt. Garniert wird das ganze durch sogenannte Quick-Time-Events, in denen ihr in bester God of War Manier im richtigen Augenblick die richtige Taste drücken müsst. Sind eure Finger flink genug, sorgt das meist für den finalen Schlag eines Zwischen- oder Endbosses, für das Überstehen einer Geschicklichkeitspassage oder das Lähmen statt Töten eigener Soldaten, die in einem kranken Spiel von Bohan auf euch gehetzt werden. Ist man nicht extrem konzentriert, kann dies für viel Frust sorgen. Verpasst man die korrekte Taste, füllt sich besipielsweise die Energie eines Gegners wieder ein wenig auf und die ansich spielerisch nicht sehr anspruchsvollen Passagen mutieren zum mühsamen Auswendiglernminispiel.

Das simpel gestrickte und wenig innovative Gamplay erschöpft sich relativ schnell. Je stilvoller und abwechslungreicher man kämpft, desto mehr Kombos und Zusatzmaterial schaltet man zwar frei. Jedoch ist das Spiel mit wildem und planlosem Knöpfedrücken zu bewältigen, zum Kombinieren wird man kaum gezwungen. Ab und zu darf man mit Nariko eine Kanone bedienen oder mit einem zweiten spielbaren Charakter mit der Armbrust die gegnerische Armee dezimieren. Speziell daran ist, dass man die Geschosse - seien es gröbere, die ganze Katapulte vernichten können oder seien es nur Pfeile - nach dem Abschuss in Zeitlupe lenken kann. Auch hier wird die Sixaxis Steuerung eingebunden. Diese funktioniert im Vergleich zum Kampf nur bedingt und man ist froh, dass man die Art der Steuerung umstellen kann. Mit dem Joystick steuern sich die Geschosse viel einfacher und genauer. Doch auch das Schiessen bietet nicht die nötige Abwechslung. Mit Sixaxis ist das Lenken extrem mühsam, wodurch schnell Frust aukommt. Mit dem Joystick ist es hingegen viel zu einfach. Diese schiessbudenartige Passagen wirken wie der verzweifelte Versuch, aus Heavenly Sword mehr als ein normales Action- und Schwertfuchtelgame im Stile von Conan, Devil May Cry oder Viking zu machen.

Bei allem Tadel, Heavenly Sword sieht grandios aus und fühlt sich auch so an. Ninja Theory schafft es, durch exzellente Grafik, Musik und Atmosphäre den Spieler trotz Mängel im Gameplay in den Bann zu ziehen. Im grafischen Bereich bedeutet dies aber nicht nur, dass man wunderschöne Landschaften und sehr gute Animationen bewundern kann. Es sind vor allem die nach kleinen Abschnitten immer wieder auftauchenden Cut Scenes, die begeistern und fesseln. In diesen lernt man all die skurillen Figuren wie Bohan, dessen Diener und den zweiten spielbaren Charakter kennen. Die Story wird stets vorangetrieben. Oftmals fühlt man sich durch ein Filmchen im Spielfluss unterbrochen. Ganz anders in Heavenly Sword. Die Szenen sind perfekt integriert und durch die Nonstop-Action eine willkommene Abwechslung. Der Entwickler schafft es, Film und Game eins werden zu lassen. Nach Beenden des Spiels hat man das Gefühl, als hätte man soeben einen Hollywood Streifen durchlebt. Dies wird durch die filmreife Musik unterstützt. Sie lässt nicht nur epische Schlachten als solche anfühlen, sondern untermalt weitere spektakuläre Momente wie etwa einen Special Move pompös und läuft dezent im Hintergrund, wenn es für kurze Zeit etwas ruhiger zur Sache geht. Hinzu kommen noch die genialen Soundeffekte, die überall passend eingesetzt werden. Schwerthiebe klingen nach Schwerthieben, Kanonenschüsse nach Kanonenschüssen und auch die restlichen Effekte tragen zum Mittendrin-Feeling bei. Zusätzlich sind die Sprecher sowohl im Englischen wie auch im Deutschen äusserst gut gewählt und die Lippenbewegungen grösstenteils synchron. Es entsteht ein Gesamtgefüge, das seinesgleichen sucht. Man spielt Nariko nicht nur, man ist Nariko. Der Spieler interagiert mit ihr in der mittelalterlichen Welt und setzt sich mit all den anderen Protagonisten auseinander.

Heavenly Sword ist ein Erlebnis. Allerdings ein sehr kurzes. Es ist locker an einem Nachmittag durchzuspielen. Das ist für einen Vollpreistitel natürlich viel zu wenig, zumal kaum Wiederspielwert besteht. Zwar schaltet man nach erstem Durchzocken den Höllenmodus frei, doch nach einmal Spielen hat man die Story gesehen. Klickt man sich dann durch die Filmsequenzen nur noch durch, geht etwa ein Viertel des Games und mindestens die Hälfte der Faszination davon verloren. Trotzdem sollte jeder PS3 Besitzer das himmlische Schwert einmal geführt haben, auch wenn es nur dasjenige der Videothek oder des Kumpels ist.

7/10

Doch nicht gestorben

Freitag, 20. März 2009

Ich konnte tatsächlich die ganze Erde über mir wegbuddeln und befinde mich nun wieder unter den Lebenden, wenn auch als lebender Toter. Gut nur, dass auch Tote schreiben können. So veröffentliche ich endlich wieder einen Text auf meinem Blog und nehme mir vor, nicht wieder fast zwei Monate zu warten, bis ich meinen Blog aktualisiere. So werden in kürze einige Spieletests veröffentlicht. Von diesen darf leider nicht zuviel erwartet werden, da mir zur Zeit das nötige Lektorat fehlt. Ich hoffe aber, dass ich mich trotzdem verbessern werde, indem ich häufiger schreibe und hier die Reviews, und in diesem Fall eine kleine Kolumne, veröffentliche. Ich wünsche schon mal viel Spass beim Lesen.

Mein grösster Traum ist übrigens, zumindest was das Schreiben von Reviews betrifft, dass ich schon nur halb so intelligente Spieletests wie die Autoren von eurogamer hinbekomme. An dieser Stelle ein grosses Kompliment an diese Seite! Für mich mittlerweile gar besser als die EDGE.

Moral Kompost

Freitag, 20. März 2009

Ninja Gaiden Sigma: Menschen und Kreaturen werden niedergemetzelt und das Blut fliesst in Mengen. Ein wahrhaft brutales Spiel! Immerhin rollen keine Köpfe, dann kann man es ab fünfzehn Jahren freigeben. Oder doch lieber das Artwork mit einem roten USK Symbol „verschönern“? Oder wie wärs mit einem PEGI 18? Ach was, besser wär noch das USK Symbol und zusätzlich einen PEGI 18 Kleber auf die Folie.

Was muss das auch für eine Krisenzeit sein, wenn man sich nicht auf eine Prüfungsinstanz einigen kann. Was für eine irre Welt. Von Ninja Gaiden Sigma gibt es tatsächlich vier verschiedene Versionen – alleine in Europa! Für den erwachsenen Spieler wird es immer schwieriger, das richtige Kanonenfutter für seine Konsole zu finden. Denn er wird bald herauskriegen, dass keine der vier Varianten ungeschnitten ist. Er muss auf die amerikanische Version zurückgreifen.

Die Amerikaner haben beinahe eine Ehrenmedaille verdient. Dort ist das ganze Prüfungsverfahren nicht so undurchsichtig, wie es in Deutschland, der Schweiz und Österreich ist, wo PEGI und USK wild durcheinander gemischt werden, und Grossbritannien, wo dasselbe mit PEGI und der BBFC gemacht wird. Ich habe bis heute nicht herausfinden können, nach welchem Prinzip welches Spiel durch welche Prüfungsinstanz eingestuft wird.

Manchmal ist stundenlanges Forschen im Internet von Nöten, um an die richtigen Informationen zu gelangen. Dasselbe musste ich bei Ninja Gaiden Sigma machen, nur um herauszufinden, dass es keine deutsche Version mit einem PEGI Symbol gibt. Warum nur? Pure, Uncharted, Resistance, Prince of Persia, Left 4 Dead & co zeigen vor, dass es möglich wäre. Sprich die meisten Spiele bekommt man in der Schweiz (als deutsche Version) mit einem PEGI Symbol, aber eben nicht alle.

Warum soll ich gewisse Spielenamen auf Seiten schreiben dürfen, nur weil in der Domain ein .ch, .at oder was auch immer steht, wenn ich gleichzeitig bei deren Niederschreiben auf deutschen Seiten beinahe in Verdammnis gerate? Ich bin zwar grundsätzlich gegen übertriebene Gewaltdarstellung, muss mich also nicht zwingend als Menschenjäger mit mörderischem Instinkt beweisen können. Aber von „gewissen Shootern“ zu reden widerstrebt mir manchmal ein wenig. Indizierte Spiele sind doch das halbe Leben eines jeden erwachsenen Zockers. Warum also nicht den ganzen Moral Kompost beiseite legen und offen darüber diskutieren? In anderen Worten: Es wäre wünschenswert, wenn sich eine Instanz und die daraus resultierenden Gesetze und Regeln durchsetzen würden. Auch wenn ich mich an PEGI gewöhnt habe, schliesst das nicht aus, dass ich die USK willkommen heissen würde (sinnvolle Anpassungen nicht ausgeschlossen…). Hauptsache sie setzt sich europaweit durch.