Kung Fu Panda
Ich hatte Lust, mir einen Film anzuschauen. Nicht irgendeinen, sondern Kung Fu Panda. Ich war mir nicht ganz sicher, ob er mir angesichts des Games noch viel Neues bieten kann. Denn Kung Fu Panda auf der Xbox 360 ist eine der wenigen gelungenen Filmumsetzungen. Die Geschichte wird hauptsächlich durch einen Erzähler vorangetrieben und mit viel Humor präsentiert. Jack Black gibt sein bestes, um den Panda Po so tollpatschig und sympathisch wie möglich wiederzugeben. Es ist ein Vergnügen, Po’s Geschichte in dieser besonderen Ausführung zu hören und teils auch zu sehen. Neben der grossen Klappe hat er freilich einige Moves drauf, hat aber vor allem mit seinen überzähligen Pfunden zu kämpfen. Trotzdem träumt er davon, ein Meister im Kung Fu zu werden. Vorbilder sind die Furiosen Fünf, wovon einer zum Dragon Warrior auserkoren werden soll. Es kommt jedoch auf kuriose Weise ganz anders. Es scheint, als sei es nicht das Schicksal einer Schlange, eines Affen, eines Tigers, einer Heuschrecke oder eine Kranichs, sonder dasjenige eines Pandas, zum grossen Drachenkrieger zu avancieren und den fiesen Tai Lung in die Schranken zu weisen.
Kung Fu Panda bleibt stets knuddelig und kindergerecht. Leider haben es die Entwickler mit dem „kindergerecht“ etwas zu genau genommen: das Spiel bietet bestenfalls auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung. Trotzdem können auch erwachsene Spieler durchaus ihren Spass an Kung Fu Panda haben. Und den hatte ich! Allerdings nicht sehr lange. Nicht, weil das Spiel zu langweilen anfängt, sondern weil es extrem kurz ist. Eine Wiederspielmotivation gibt es praktisch keine, zumal die Story nach einmal durchspielen nicht neu erfunden werden kann. Der gleiche Witz bzw. die gleiche witzige Schilderung eines Ereignisses ist beim zweiten mal nicht mehr halb so lustig. Unterbrechen kann man die Storysequenzen nur, wenn man die entsprechende Passage im entsprechenden Schwierigkeitsgrad schon mal gespielt hat. Das heisst natürlich nicht, dass ihr beim ersten Durchspielen nicht amüsiert wäret. Zusätzlich fesseln freischaltbare Extras den Spieler etwas länger an die Konsole. Das Problem ist nur, dass selbst das Aufsuchen geheimer Gegenstände und zusätzliche „Herausforderungen“ zu den Missionszielen in den jeweiligen Level eben keine Herausforderungen darstellen.
Die Level wurden so linear wie möglich gehalten und sind voller unsichtbarer Wände. Man kann keine Häuser betreten, auf Gelände innerhalb eines Zaunes springen oder Geheimgänge entdecken. Ihr könnt euch vorstellen, dass dadurch das Finden irgendwelcher besonderer Münzen und Statuen zum Kinderspiel wird. Ebenso einfach gestalten sich – und so wären wir endlich beim Spielprinzip – Kampf und Hüpferei. Kung Fu Panda als Jump’n'Run zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung für Mario und Co. Es als Prügler abzutun, käme dem Spiel allerdings auch nicht gerecht. Was ihr machen müsst, ist recht simpel: gelangt vom Levelanfang bis an dessen Ende. Dazwischen gilt es, ab und zu Sprungpassagen – wenn man sie so bezeichnen darf – zu überwinden, etwa von Seerose zu Seerose mit einfachem oder doppeltem Sprung zu hüpfen, um ein Moor zu überqueren. Meist gibt es unterwegs Gegenstände einzusammeln oder befreundete Tiere zu retten. Oftmals ist dies oder ein Teil davon optional. Durch die linearen Level erreicht man die 100% (die ein Achievement freischalten) in der Regel allerdings ohne grosse Bemühungen. Gelegentlich muss man einige Quick-Time-Events über sich ergehen lassen. Die zu drückenden Tasten werden beinahe so lange auf dem Bildschirm angezeigt, dass man sogar Zeit hat, um auf das Pad zu schauen, sie dort zu orten, draufzudrücken und dann den Blick wieder auf den Bildschirm zu wenden, wo man das eben ausgelöste Event verfolgen kann. Aufzusammeln gibt es auch haufenweise normale Münzen. Mit diesen könnt ihr Upgrades wie neue Kleidung, mehr Leben oder stärkere Angriffe kaufen, was eine zusätzliche Motivation nicht nur für sammelwütige bietet.
Den grössten Teil des Spiels nimmt der Kampf ein. Drei Tasten werden dafür gebraucht. Mit schnellen und schwachen Schlägen räumt ihr kleine Gegner weg, mit langsamen und starken beseitigt ihr grösseres Kaliber. Im Verlaufe des Spieles lernt ihr Kombinationen und Spezialangriffe wie etwa die Rollattacke kennen. Dazu braucht ihr Chi, eine Art Mana. Auffüllen könnt ihr dies durch Besiegen der Gegner, die dann Energieballen – sprich Chi – hinterlassen. Das Blocken wird nur selten gebraucht. Krokodile, Gorillas, Wildschweine und weitere Fieslinge sind meist schnell erledigt. Solltet ihr dennoch mal getroffen werden, gibt es genug Essen aufzusammeln, damit eure Lebensenergie nicht zuneige geht. Das Kampfsystem könnte einfacher kaum sein. Daher funktioniert es tadellos. Kung Fu Panda ist also keine spielerische Offenbarung, bietet aber gerade genug, um für simple Unterhaltung sorgen zu können.
Die fehlende Komplexität mag Kung Fu Panda uninteressant erscheinen lassen. Die Luft ist nach einmaligem Durchspielen sehr schnell raus. Allerdings langweilt ihr euch während den wenigen Stunden eigentlich nie. Für Abwechslung ist gesorgt. Es gibt mehrere spielbare Charaktere und somit einige aussergewöhnliche Passagen. Einmal steuert ihr zum Beispiel den armen Kranich, der den fetten Panda tragen und zusätzlich den Angriffen eines riesigen Krokodils ausweichen muss. Ebenso abwechslungsreich und vor allem grafisch sehr schön sind die verschiedenen Gebiete. Die Landschaften wirken idyllisch, die Berge oppulent und die Wohngebiete friedvoll. Über allem scheint ein Schleier des Geheimnisvollen zu hängen. Richtig chinesisch eben.
Bevor ihr euch Gedanken zu einem allfällig monoton werdenden Kampfsystem machen könnt, ist schon das Ending zu sehen. Für Kung Fu Panda gilt: in der Kürze liegt die Würze. Durch die fehlende Herausforderung ist es zudem ein Spiel zum Zurücklehnen und Geniessen. Zu geniessen gibt es denn auch genug: es ist sehr schön anzusehen, die musikalische Untermalung ist durchaus gelungen und die Story überzeugt vor allem mit Humor. Ebenso ihren Reiz haben die Extras und Upgrades. Wer einfach zocken, sich auf simple Art vergnügen und Spass haben möchte, dem sei Kung Fu Panda wärmstens empfohlen. Wer allerdings eine Challenge sucht oder gar etwas Innovatives erwartet, ist mit diesem Game schlecht beraten.
7/10